(Benjamin Rischer)

1.

vertäuter ort geträumter tollkirsche
 

vertäuter ort geträumter tollkirsche
gelobter schopf geträumter schlag
geräumter zeit gefällter wind
verstummter bein aus schwarzem nord
gewusster raum befolgt verträumt
bewohnter sturm verrucht geheim
geheim verstummt gebaut aus stein

bauch verloren in den trassen lauter brüder
bauch verhundert in den lauten breiter kreide
fels verruchter schutt verstaubter bäucher
rauch verstummter trümmer der geheimen

nord im hause stammt der wind
 nord an stunden haucht der stein
  fels an wasser wärt die zeiten
   zank an schaumrest brauch die stunden
zehrt an halten raucht an zirkeln
 aufgebrauchter zeitabschnitte
zurrt den stummen flink die lippen
 stillt den wortstamm baut aus schweigen

baut aus schweigen
baut aus schweifen
 
 

2.
veilchen
 

von dir zu sprechendes gesagt mein schatz
von dir geträumtes rein gestillt mein schatz
mein schatz im geist verschneit und leib vereint
mein schatz bleibt heimverträumt und schief geliebt

mein veilchen bleibt ein schweif
gezwirnter sprache wild verträumter stunden
aufgezählt und weiss geflüstert

mein veilchen bleibt verwirrt geliebt
verlangt und fein verschneit geträumt
auch rau geblühter blieb verbunden
trunken schief gelippter langer nächte
gemeinsam ausgewildert noch ein veilchen
 
 

3.
trieben - zwielicht
 

ich kann nicht
 noch ist märz
und nähten nächte
lang

hohl dorn - zwischenfinger
und entsprachen ausgezwirnte zeichen
dort wo schattich falter unter rausch und bau
 heiss ort kargere gebärden
trieben oberwärts den frühjahr
unter genuiden auch gesichtern
 meins - und ozean naht

da blieb denken des zufallst wie blinde hoffnung verschirmt. und wie nördlich der zunge blieb fuchsbau an der tischlandschaft wie zeitung papier durch die stürme und strassen. (schachkuve unter stirnfeder) metallene hundekruden hordeten restton. machten sich heimlich wiesend bis an mein ohr...

blaupunkt - kehre
 ist noch märz
ist nord meins?
blieb stunde taube paradoxe?
ist tausend aufgezeilte
stunden
oder meins dort im geröll?
 
 

4.
toxozysmus
 

entschälung beschrittene trunken
verwilderte flut gesichtet
beschrittene flut getrunken
gesichter entschält verwildert
flut getrunken entschält
gesichtete beschreitung verwildert

aufgewacht bleibt der wesensbaum ein raumschatten zur
untergrabung verwarter einzelhaft in zellschaum altverzehrtem
ausgebracht bleibt der raumschatten eine untergerabung zur
wesensbäumung verwarter einzelheiten aus zellverzehrtem alten
unterwacht bleibt der zellschaum ein wesensbaum der einzelhaft
verwarter raummatten in altverzehrter aufwachung

sprechgesang rau im sprachsteg
feuer kein sturzzeichen
kein sprachsteg feuert
rauer sprechgesang im sturzzeichen
feuert sturzzeichen rau
im sprachsteg kein prechgesang

unter jeder stirne ruht ein schattenkomplex gezeichneter bindungen
brandheis geboren um aufzuzählen was an abrissen in sprache steht
unter bindungen stirnen ruhten gezeichneter aufzählungen
ein brandheis abgerissener sprachsteg ein geborener schattenkomplex
geboren war ein sprachsteg aufgezählt dann gezeichnet durch stirnen abgerissen
unter ständig ruhenden bindungen an jeden schattenkomplex

einer unter uns
bleibt keiner dort
bleibt uns  keiner
unter einem dort
uns bleibt einer
unter keinem dort

unter hängen bleiben schatten auch mittags fallen stürme
auf die stämme breiter bäume bleiben wrakteile stundenlang
unter schatten bleiben fallen hänge auf die stämme stundenlang
gebliebener mittagsstürme geteilter bäume wrakartiger breiten
auf die hänge teilen bäume schatten mittags gefallener stämme
unter stundenlangen stürmen breiten wrakteile bleiben bleiben
 
 

5.
staugesang
 

die spur unter den lippen klippen stein und stumm
bleibt nicht zuletzt der kahlgang durch das wetter
scheibendünn und feilgesiebt ein seil aus spiel
und spalt am zungenfunken bald vorüber nur am glas
der wortgewänder ausgeträumt mit seide sinngespinster

aussserhalb des speilen wortes trieb mein fuchsleib lungerseide
sirrt von stein zu stein die zeichenherde
oder kommt vom wolkennorden bordwandhoch der trumm
an sprechgesang und zwischenstaude
ausgeritzter tropfen

norden brach mir zungengewänder über fels und zotten
zwirbelte mir zangenbänder ausserhalb der schattenhöfe
und vertrieb mir schauergeister über weisse schneegefilde
brach herein aus schaumverzehrten brachgebirgen
nur der mund in wilder landschaft kann noch worten
bucht und stemmheim aus der muskelfeder ausgeschmissen
 
 

6.
sang über dem sturm plateau
 

wenn der mund trocken bleibt kommt der mond tropft
wenn schaum drauf bleibt staunt rauchschatten nicht weniger
wenn geier grössere stammflüge greifen stammen steife glanzfelsen
wenn also in mir jemand ausser mich mit stürtzt stammel ich
wenn wer also unter mich starrt staunen mir felsen über geieraugen

wo aber träumt er unter schattenbauten träumt schluchten oder
wo aber phantasiert er mir den vogelflug wie tintenstriche
wo aber stirnen wie mondlicht mir zwischen staubhäusern und blech-
karaffen ganz im trudel der träumerei getröpfert unter sturm und stimm-
gesang (noch ein konischer rauchzeiger) ganz zwischen hirnstern und
startbahn ausgeflogen (ausserirdische klangzirkel) aufgefolgert
in violetten vertäuten phantastisch gezinkten gebieten

wenn der mund also wie ein abhang
darüber stürzen nordlich fast wie aus kaskaden
falter in räume ausgemacht und balancierte später
noch am abend zwischen den kirchtürmen leichteren
sichelfusses wie drahtig flinken schuh gestirns über und
hielt wie aus buchten atem an sich
 
 

7.
nur alb nah gittertraum
 

flimmerten getriere aus gewachten gegenden
schimmerten und firnten zweisam

schutztierchen unter schalltrimmern
filmschatten brachen ihre tierplanken über die strassen

weg fielen flirrend unter feuerdirnen
schindtiere schlummerten unter ihnen wie mir und dir

flimmerschatten brachen über die tiere bei mir im kinderzimmer
und strassen bälger ballten flimmerschlünder durch die nachtgassen

weg schau faden! tier noch schimmer! schwindend
winter war schon fädiger und feiner staub und ballte seile

flimmerte der winterschein von tieren durch die wohnzimmer
und kelterte lichkinder aus hinterhöfen

fäden rissen irrlichter aus rundorkanen
irrten später zwischen tieren wie unter uns noch finsterer

schutzmeridiane und schutzmarode ruiendämme
tümmelten sich finger unter uns wie bindeglieder

ich stimmte kehlig sie tierisch und sinnte fandensonnen aus
bäumte ballen unter bastmeandern blaustirn noch die strassenzweige

winselnd schliesslich blichen sie unter bunkergesichtern hinter mir
dann trugen sie finder unter sangleiber und banden handfinger an fluchtbuchten

dem auge geschopft aus schalltierchen! des feinsten abendzwirn
an zeit und flüchteten noch zungengleich zur zwingung

entflimmert nun und tierchen bändig sanken stirnen träumter kinderzimmer
unter die geballten zechen zart verteilter stunden
 
 

8.
nachtrunken
 

nirgends oder nachttrunken
nachttrunken oder
 oder nirgend kamen sie
  nirgend kamen sie aus
   aus nachttrunkenen nirgends
oder nachttrunkenen katakomben
nigends oder nirgend-
 katakomben
  der nachttrunkenen städte
kamen sie nachttrunken
 kamen ins nirgend
 oder in tunneln oder
  oder nachttrunkenen blautunneln
   oder nachttrunkenen blautronen
 kamen
und kamen blaut ronnen
ronnen oder durch strassenzüge
ronnen nacht blau konisch zu
 tunnelkatakomben zu
 
 

9.
lumpen katarackt
 

noch trieben sie zu stunden lungerten in fahlem
licht und lumpenhaftem glanz am rand der stadt
bargen harte felle nährten namenlose nächte schrieben
bälger an die hauswände wie aufgeschüttete schattenspiele
und schamützel ausgeschriebener dämmerbänder eingeknotet
noch vorm herbst verloren und geborgen lungerten in horden
zwischen feuertumpen nebenstrassen gassen nassen herbstgrimassen
wind und wetter ausgelegt in zank und zeit der aussenbezirke
der stadt stark autark im wetterwrak vermodert

anemonenwort kantenhart zwischen den mäulern
zwischen den kiemen oder fäussten fronten formverkommen
hoffnungen blind verwurzelt aufgerundet aufgetakelt und verknotet
raufgeschottet auf die rücken wolken stumm in wetterhaft
und sturmwolken in fahlen sturm
standen neigung abwärts
standen närhung abwärts
staunten neigungszeiger nordwärts
in un-
wetter-
tunnel
träumten noch zum abend neigung in die grauen strassen
breiteten die weissen schläfer über ihre masken
 
 
 

10.
küste konstellation geburt
 

aus schloten kam mein schlaf und spuren
fiehl von kantenhänden bis zu schwierigen erhofften
und blieb aus grösserer entfernung noch im wind drei reisen weiter
bunt und grundbau wie die stimme liegen hier am ufer
hafen schroff vertaut am kai zu kartenzeichnung

aus den spuren trieben wale deltatrocken bucht am windschott
mäuler trommelten zu fäussten auch zu flüssen oder wasserfällen
hohl und grundgross blieb vom hafenbau der wegsturtz tiefer
aus der landbarake wuchten sich wenn erst die stunden fortgeschritten
dort geritzt und eingeschnitten haufenweise inlandswege

gleich an scherz vorbei und küste karrten horden wilder jäger
all die aufgeschaufelten alleen kleine schattengrotten über
und vermassen meinen kopfast wie ein krudes kampfschiff
oder nussschopf ozeanen breit verirrer leiser aufgelachter blaugang

doch war abends meine küste
bergen nur zu selten karg auf schäume aus
und tickte schon in karbonzeit
älter als sümpfe und älter morastgebiete
kunstharz und konstellationen morast und sucht mir meine urlauge war
 
 

11.
im abend hafen
 

wir schliefen noch lange und die zeiger ruten dort
unter dem scheibengezinkten sternbild haufen ruhten noch
wir wie aus sternnorden und warteten schicksal ausser uns
geronnen trieben wir sternbilder hinab auf die scheibenschicksale
trieben scheibensterne über bildschaden staubgezinkte
zirkel über sterntriebe treibersterne über scheiben trieber
wir zeigten noch lange in schlaf und bildscheite

norden endlich trieben wir am abend taufen
norden endlich scheiben wir die narben taufe
norden endlich trieben wir die sternhafen über taue
trauten norden noch von sternscheiben übertriebener
vertrauensscheite oder scheinnorden endlich stern treiben
gekehrte flutsterne über abends zeigerbilder trieben
flutrauschen über flucht und abendtrümmer sternzeiger

nur oder noch trieben wir nordabends die sternharfe
nord trieben wir noch oder abends sternharfe über den schlaf
oder trieben wir nordharfen über abendsteine unter den schlaf
unter gekehrten wieder unter gekehrten noch unter gefluteten
noch gestrinten scheiben getriebenen scheitsternen gefluteten
schicksal noch oder oder noch schicksal  und noch lang harfen stein
stand sternharfe zirkelten unter dem schlaf wie harfenzeiger

tänzelten schliesslich nördlich sternharfen zirkel unter dem
schlaf wie harfenzeiger getänzelte nordscheite und sternwarte
gescheiterte sternharfen zeigten scheinhafte steinharfen
tänzelten noch nur oder nord nur oder nun noch abends
und vertrieben nordharfen oder lange zeiger und ruten geronnene
trummsterne und rund scheibentrieber hafensterne und sackhäfen
sachthäfen und tänzelten schliesslich nördlich

scheiben trieben sternbilder über schicksale
schoben scheibentrümmer über scheite der sterne
und vertrieben aus sachthäfen schachharfen und zeigten scheiben
oder schachhäfen trieben über abendgetänzelte scheinsterne
schrieben nord abends sich auch ohne sternhaufen und schicksale
zeigten scheinbare scheitzwerge und zeithafen
scheiterten sternbilder über schicksale nördlich der trieber und grotten
 
 

12.
gestänge voltierter bittkinder
 

hatte der beirrte rauch noch wahrschein in zungen
tobten raubbäutler durch die zwinger still vertrümter städte
fenster brachen aus den sinnen bälger turnten durch kaskaden-
findlinge
du leertest finger
du leertest finger auf bilder
du leertest finder auf kanäle

taumelte im schauraum der verirrte rauch von zungenkante
zu zungenkante kenterte von zinnenwand zu zinnenwand
leerte schliesslich vergessenstrunken bunte fingerkuppen
wortgewänder handgleich ausgeschüttet
bindeglieder findlingsträum verzogen
siedet wort und stirnbaustein
auf strassen roden
du riefst finsterschnee
du riefst binderettung
du riefst fistelzeichen wortfristen

bald stimmten fistelkinder aus den stäben
heimvertäuter villazwinger und versangen bange stunden
aus den wundscheid unterkeilen in die zeichentriebe
unterkeilten stammgehirne stimmgewänder und gestänge
bald riefen sie
urlaut!
händen!
dürr!
 
 

13.
gefolgt ins unterholz
 

auch wie aus dem sonnenlicht getreten
fällt nicht die stirne hinab
zu mir in den schattenabriss gefolgt
oder hinter dem fluss noch im unterholz
in der kühle

wie mit dem mund
zur traumfurche verlohren
gespielt

noch länger gerieben
zwischen den fingern
in sandbuchstaben
unbestäubtes beschattetes
unaufgeräumtes und verflogenes
blühten leichter
wie zum funkenschlag
am ufer des erstarrten
berührt

wie durch phantastentrommler
aus den gruben heraufgeholt
und gestillt wie den untergrund-
gang
zwischen den wetter-
seilen